Der Steuerberater in Frankreich: expert-comptable

01.09.14
Der Steuerberater in Frankreich: expert-compatble

Wie wird man Steuerberater in Frankreich?

Die Ausbildung zum Steuerberater (expert-comptable) vollzieht sich in Frankreich in drei Etappen:

Die Steuerberateranwärter müssen zunächst nach einem dreijährigen Studium ein Diplom in Rechnungswesen und Betriebswirtschaftslehre („Diplôme de Comptabilité et de Gestion (DCG)“) erhalten.

Anschließend müssen Inhaber des „DCG“ weitere zwei Jahre studieren bis sie das höhere Diplom im Rechnungswesen und in Betriebswirtschaftslehre („Diplôme Supérieur de Comptabilité et de Gestion (DSCG)“) ablegen können.

Dieses Diplom kann entweder nach einem Studium an einer Universität oder auf einer spezialisierten – öffentlichen oder privaten – Schule für Steuerberater absolviert werden. Dabei handelt es sich entweder um Schulen, die die Kandidaten nach dem Abitur aufnehmen, oder aber um Businessschools, für die ein strenges Auswahlverfahren mit Aufnahmeprüfung besteht. Allerdings kann die Prüfung auch nach einer praktischen Berufsausbildung mit entsprechender Berufserfahrung abgelegt werden. Die Spannweite der Kandidatenprofile ist also sehr groß.

Nach Erhalt des „DSCG“ müssen die Kandidaten ein dreijähriges Praktikum in einer Steuerberaterkanzlei in Frankreich absolvieren. Zwölf Monate dieser Praktikumszeit können ebenfalls im Ausland oder in einer Firma absolviert werden. Neben dieser praktischen Tätigkeit muss der Steuerberateranwärter an theoretischem Unterricht teilnehmen. Nach dieser letzten Etappe kann schließlich die französische Steuerberaterprüfung („Diplôme d’Expertise Comptable (DEC)“) abgelegt werden. Außerdem muss dem Prüfungskomitee eine Masterarbeit vorgelegt werden.

Um als Steuerberater in Frankreich zugelassen zu werden, muss der zukünftige Steuerberater bei der zuständigen Steuerberaterkammer einen Eid ablegen, den Beruf gewissenhaft, ehrenvoll, rechtschaffen und unter Beachtung der Gesetze ausüben zu wollen.

Der Werdegang eines französischen Steuerberaters ist in vielen Hinsichten mit dem eines Steuerberaters in Deutschland vergleichbar, da nach der allgemeinen Ausbildung eine praktische Erfahrung verlangt wird, bevor die Abschlussprüfung abgelegt werden kann.

In Deutschland muss allerdings keine Masterarbeit verfasst werden. Außerdem werden in Frankreich im Gegensatz zu Deutschland keine Volljuristen zur Prüfung zugelassen, wenn diese nicht auch über eine akademische Ausbildung im Rechnungswesen verfügen. Deswegen werden in Frankreich die komplexe Steuergestaltung sowie die Verteidigung in finanzgerichtlichen Prozessen überwiegend durch im Steuerrecht spezialisierte Rechtsanwälte übernommen.

Wann wird der Steuerberater in Frankreich tätig?

Ein französischer Steuerberater ist entweder freiberuflich in einer Kanzlei oder als Mitarbeiter in einem Unternehmen tätig. Sein Aufgabenfeld erstreckt sich dabei von der Führung der Buchhaltung von gewerblichen Mandanten, der Erstellung von Jahresabschlüssen, Steuererklärungen und Lohn- und Gehaltsabrechnungen bis hin zu beratenden- und Gutachtertätigkeiten.

Im Regelfall hat der Mandant in erster Linie Kontakt zu einem oder mehreren Mitarbeitern und bespricht nur die komplexen Themen mit dem Steuerberater.

Wie ist der Beruf des französischen expert-comptable organisiert?

Insgesamt gibt es ca. 19.000 zugelassene Steuerberater in Frankreich.

Französische Steuerberater sind entweder freiberuflich oder im Angestelltenverhältnis tätig. Die Steuerberater sind – ähnlich wie Rechtsanwälte – in örtlichen Steuerberaterkammern organisiert („l’Ordre des experts-comptables (OEC)“).

Steuerberater können sich in Frankreich zu Berufsgenossenschaften zusammenschließen. Die zwei Berufsgenossenschaften sind “Experts-Comptables de France” (ECF) und L’Institut Français des Experts-Comptables” (IFEC).

Françoise Berton, französische Rechtsanwältin

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