Der Rechtsanwalt in Frankreich

03.12.12
Anwalt tröstet Mandanten

Aktualisiert am 26.08.2019

Deutsch-französische Rechtsanwaltskanzlei Berton & Associes und Berton Rechtsanwalts-GmbH

Für das französische Geschäft deutscher Mandanten empfiehlt sich die Beauftragung eines französischen Avocat, der zugleich als Rechtsanwalt in Deutschland zugelassen ist. Durch seine Kenntnisse der beiden Rechtsordnungen kann er das französische, das deutsche und das internationale Recht bestens anwenden und somit die optimale Strategie für seinen Mandanten wählen.

Unsere deutsch-französische Rechtsanwaltskanzlei bietet dem deutschsprachigen Mittelstand gerne diese Möglichkeit.

Um Mandanten vor Ort bestens beraten zu können, haben wir sowohl eine Anwaltskanzlei in Mannheim, Deutschland sowie zwei Kanzleien in Frankreich: in Paris und Strasbourg. Somit sind wir in der Nähe unseren deutschen Mandanten und vertreten sie zugleich auf französischen Boden über unsere örtlichen Standorte.

Wir vertreten Mandanten aus unterschiedlichen Branchen, die unsere deutsche Anwaltskanzlei auch empfehlen: Unsere Mandanten stammen aus der Industrie, dem Dienstleistungssektor, dem E-Commerce sowie dem klassischen Vertrieb.

Wir bieten die für den deutschen Mittelstand wichtigsten Beratungs- und Vertretungsleistungen im französischen Wirtschaftsrecht und im französischen Sozialrecht an:

Wir arbeiten mit einem Netzwerk aus Experten zusammen. Darunter befinden sich unter anderem auch französische Notare und französische Steuerberater.

Der Erwerb des Anwaltstitels in Frankreich (Avocat)

Fast 70.000 französische Rechtsanwälte sind in Frankreich zugelassen, wobei das jährliche Wachstum seit 2012 unterbrochen ist. Diese in Frankreich zugelassenen Rechtsanwälte sind bei der örtlichen Rechtsanwaltskammer (Ordre des Avocats) zugelassen. Es bestehen in Frankreich insgesamt 179 Rechtsanwaltskammern von sehr unterschiedlicher Größe.

Zur Zulassung muss der Anwaltsanwärter in Frankreich:

  • entweder einen französischen Juraabschluss (Master) nach mindestens 4 Jahren vorweisen, wobei viele Jurastudenten länger studieren, und eine Prüfung nach 18-monatiger Ausbildung in der Rechtsanwaltsschule (CAPA) bestehen,
  • oder als bereits in einem EU-Land niedergelassener Anwalt die Eignungsprüfung (meistens bestehend aus französischem Standesrecht) beim Conseil National des Barreaux (CNB) in Paris bestehen bzw. eine dreijährige Tätigkeit (ohne Universitätsabschluss) in Frankreich nachweisen.

Die anwaltliche Tätigkeit in Frankreich

französischer Anwalt Tätigkeit vor GerichtDie französischen Rechtsanwälte gelten wie in Deutschland als Organ der Rechtspflege (auxiliaire de justice), da sie im Rahmen des öffentlichen Dienstes der Justiz (mission de service public de la Justice) handeln. Weitere Organe der Rechtspflege sind beispielsweise Notare. Die französischen Sitten sind noch stark von diesem Grundgedanken geprägt und werden noch durch äußere Zeichen kundgegeben: Die offizielle Anrede für französische Rechtsanwälte (auch für Notare und Gerichtsvollzieher) in Frankreich lautet: „Maître„. Das Tragen der Robe vor Gerichten ist beispielsweise Pflicht, und die des französischen Rechtsanwalts ist darüber hinaus auch aufwändiger als die deutsche Robe.

Die Robe des französischen Anwalts

Französische Anwälte waren vor dem Gesetz vom 31.12.1971, das ihren Beruf regelt, zwar nicht gezwungen, die Robe zu tragen, hatten es aber schon immer getan. Das Aussehen der Robe erinnert an die Kleidung eines deutschen Pfarrers. Das kommt daher, dass die französischen Anwälte früher auch der Kirche angehörten. Die Robe hat seitdem Änderungen erlebt, wie die Anzahl der Knöpfe (damals 33!), die Schleife, die gekürzt wurde, sowie der zur Robe gehörige Hut, der nunmehr an der Schulter ein kleiner Zylinder ist. Die damaligen Zeichen des Berufsstands sind also verkleinert, aber nicht abgeschafft worden.

Der Rechtsanwalt vor den Gerichten in Frankreich

Die Verteidigung von Mandanten vor dem französischen Gericht gehört zu den wichtigsten Aufgaben des französischen Anwalts. Der Avocat handelt im Namen und auf Rechnung seines Mandanten und verfügt zu diesen Zwecken über eine gesetzliche Vollmacht. Das bedeutet insbesondere, dass eine schriftliche Vollmacht nicht wie vor deutschen Gerichten angezeigt werden muss.

Bis auf spezialisierte Gerichte, die eine besondere Anwaltszulassung erfordern, wie z.B. der französische Kassationshof (gleicht dem Bundesgerichtshof), können die Rechtsanwälte vor allen Gerichten auf französischem Boden auftreten (einschließlich der Übersee-Gebiete).

Die Postulationspflicht, welche in Deutschland vor Jahren aufgehoben wurde, hat in Frankreich gemäß geltendem französischem Standesrecht bis heute noch Geltung: Hat der Mandant einen Rechtsstreit vor einem anderen Landgericht als dem, bei dem sein Rechtsanwalt zugelassen ist, wird im Regelfall der Rechtsanwalt die gesamten Schriftstücke vorbereiten und auch vortragen, während ein vor diesem Landgericht zugelassener Rechtsanwalt offiziell eingeschaltet wird (sog. Avocat postulant).

Deutsche Mandanten fragen sich oft, ob sie ihrem deutschen Hausanwalt eine Streitsache anvertrauen sollten, die vor französischen Richtern vorgetragen werden muss. Sie wollen sicherstellen, dass sie von ihrem Anwalt sprachlich und auch inhaltlich am besten verstanden werden. Obwohl es theoretisch und auch rechtlich möglich ist, darf man dabei die Landessitten und juristischen Besonderheiten nicht unterschätzen. Das Prozessrecht ist z.B. in Frankreich anders aufgebaut. Man kann schnell in eine Falle tappen und aus diesem Grund den Rechtsstreit schließlich verlieren. Am besten sollte man sich von einem deutschsprachigen Anwalt begleiten lassen, der folgende Voraussetzungen mitbringt:

  • Angehörigkeit in einer auf deutsche Mandanten ausgerichteten deutsch-französischen Anwaltskanzlei;
  • Persönliche Zulassung als Anwalt in Frankreich, am besten nach erfolgreichem Abschluss in einer französischen Rechtsanwaltsschule. Die Zulassung ohne den Besuch der Anwaltsschule ist für in anderen EU-Ländern zugelassenen Anwälte möglich, aber es werden keine Kenntnisse des französischen Gerichtssystems verlangt;
  • Berufserfahrung mit der Prozessführung in Frankreich;
  • Gute Kenntnis der deutschen Kultur durch Berufserfahrung bzw. eines Studiums in Deutschland.

Deutsch-französische Anwaltskanzleien bescheidener Größe wie Berton & Associes werden die Interessen des deutschen Mandanten eher zusammen mit dem deutschen Hausanwalt vertreten als größere Kanzleien. Diese werden tendenziell den deutschen Hausanwalt ignorieren und mit ihrem eigenen Netzwerk arbeiten wollen, was ja schließlich kontraproduktiv ist .

Rechtsanwälte bieten in Frankreich hochwertige Beratungsleistungen an

Genauso wie in Deutschland sind die französischen Anwälte sowohl als Vertreter der Mandanten vor Gericht als auch als rechtliche Berater und Verfasser von Verträgen tätig. Bei der zunehmenden Komplexität der Sachverhalte und der Rechtsnormen nimmt die Beratungs- sowie Gestaltungsleistung des Rechtsanwalts einen immer wichtigeren Platz ein.

Französische Rechtsanwälte gewährleisten aufgrund ihrer juristischen Ausbildung sowie ihrer jährlichen Fortbildungspflicht ihren Mandanten eine professionelle Leistung, die kein anderer Berufsstand außer einem Norar bieten kann. Sie haben außerdem eine Berufs-Haftpflicht-Versicherung und unterliegen strengen standrechtlichen Normen. Sie sind daher z.B. im Bereich des französischen Unternehmenskaufs unverzichtbar. Ohne französischen Anwalt ein Unternehmen zu kaufen wäre zum Beispiel schlichtweg das Gleiche wie selbst (eventuell mit Hilfe eines Hobby-Kochs) ein Sternelokal eröffnen. Das kann im Grunde nur schiefgehen, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussieht.

Vergütung französischer Rechtsanwälte

rechtsanwalt in frankreich honorarregelnDie Vergütung eines Rechtsanwaltes ist entgegen dem deutschen Recht in Frankreich nicht durch ein Rechtsanwaltsvergütungsgesetz festgelegt. Der Gesetzgeber verbietet sogar die Festlegung einer Gebührentabelle durch Vorschriften. Die Gebührenvereinbarung wird immer individuell ausgehandelt: Pauschalen für vorhersehbare Tätigkeiten, Stundensätze in den meisten Fällen oder auch eine Kombination aus einem festen Satz und einer erfolgsabhängigen Vergütung (insbesondere bei gewissen Gerichtsverfahren). Eine reine erfolgsabhängige Vergütung ist entgegen den deutschen standesrechtlichen Bestimmungen in Frankreich unzulässig. Bei Auseinandersetzungen zwischen dem Anwalt und seinem Mandanten in Bezug auf die Honorare ist die örtliche Rechtsanwaltskammer in der ersten Instanz zuständig.

Standesregeln und Sitten des französischen Anwalts

vertraulichkeit des anwaltsberufs in frankreich
Einen wichtigen Unterschied zur Praxis in Deutschland bildet auch die grundsätzliche Vertraulichkeit der Korrespondenz des französischen Rechtsanwalts. Die Rechtsanwälte dürfen daher z.B. geheime Verhandlungen für ihre Mandanten untereinander führen, ohne zu fürchten, dass der Kollege später die Korrespondenz beim Gericht offen verkündet und den Gegner damit schädigt. Ausschließlich die mit dem Vermerk „offiziell“ („officiel“) versehenen Korrespondenzen der französischen Rechtsanwälte unterliegen keiner Vertraulichkeit. Diese Besonderheit erweist sich in der Praxis oft als sehr nützlich, z.B. bei Vergleichsverhandlungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer (siehe französisches Arbeitsrecht).

Verglichend mit Deutschland gelten insgesamt sehr unterschiedliche Umgangsformen in Frankreich, sowohl gegenüber des Gerichts als auch mit Kollegen. Es empfiehlt sich daher immer einen Avocat zu beauftragen, der diesen Umgang täglich praktiziert, mit den Gepflogenheiten vertraut ist und daher sofort ernst genommen wird.

Anrede und Grußformel mit Anwälten in Frankreich

Unter französischen Rechtsanwälten nennt man sich „Cher Confrère“, d.h. „sehr geehrter Herr Kollege“. Es ist üblich, dass diese männliche Anrede auch unter französischen Anwältinnen angewandt wird. Eine Anwältin kann aber auch ihre Kollegin mit der Anrede „Chère Consoeur“ ansprechen. Die Grußformel ist dagegen für alle Anwälte neutral und heißt „Votre bien dévoué/ée“.

Mandanten wenden sich in Frankreich typischerweise mit der Anrede „Maître“ mündlich und schriftlich an ihre Verteidiger. Diese Sitte wird jedoch nicht immer eingehalten, insbesondere in der Beziehung zwischen Anwalt und Unternehmen. Das ist schließlich eine sehr persönliche Sache.

Ihr Rechtsanwalt für deutsch-französische Rechtsangelegenheiten

Wenn Sie auf der Suche nach einem geeigneten Anwalt sind, der Sie in Frankreich oder auch in Deutschland vertritt, sind sie bei Berton & Associes an der richtigen Adresse. Wir freuen uns auf Ihre Nachricht. Unsere Kontaktdaten finden Sie auf dieser Seite.

Françoise Berton, französische Rechtsanwältin

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