Wirtschaftsrecht

Die höhere Gewalt im Vertrag
21.01.21 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

Die höhere Gewalt in einem Vertrag

In dem Urteil Nr. 19-21.060 vom 25.11.2020, das in juristischen Fachzeitschriften breit publiziert wurde, hat das höchste französische Gericht daran erinnert, wer sich auf höhere Gewalt berufen kann, um sich aus einem Vertrag zu lösen. Kann sich der Gläubiger einer vertraglichen Verpflichtung auf höhere Gewalt berufen? Dies war schließlich die Frage, die die französischen Richter der ersten Kammer für Zivilsachen in ihrem Urteil vom 25.11.2020 zu beantworten hatten. Bevor es nun zu dem konkreten Sachverhalt übergeht, ist es sicherlich nützlich, kurz in Erinnerung zu rufen, was höhere Gewalt nach französischem Vertragsrecht ist. Höhere Gewalt wird vom französischen Zivilgesetzbuch (Code civil) im…

Verzugszinsen
19.11.20 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

Verzugsstrafen

Häufig werden unter dem geläufigen Begriff „Verzugsstrafen“ sowohl die finanzielle Entschädigung einer Verspätung bei der Ausführung ihrer Pflichten durch eine Vertragspartei als auch die finanzielle Entschädigung, die sich aus dem französischen Gesetz ergibt, gemeint. Je nach Situation und Schuldner können diese Verzugsstrafen manchmal anders bezeichnet werden, wie zum Beispiel als Schadensersatz für verspätete Leistung, Verzugszinsen, Vertragsstrafe, usw. Diese verschiedenen Bezeichnungen entsprechen oft unterschiedlichen rechtlichen Regelungen in Frankreich: Strafen, die als Vertragsstrafe vorgesehen sind, können beispielsweise im Streitfall von einem Richter abgemildert werden, wohingegen Schadensersatz für verspätete Leistung auf gesetzlicher Grundlage, wie zum Beispiel Verzugszinsen, die der Steuerzahler dem Finanzamt schuldet,…

DSGVO Datenschutz im Unternehmen
09.06.20 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

DSGVO: der Schutz von personenbezogenen Daten im Unternehmen

Die DSGVO ist schon zwei Jahre alt! Das ist eine gute Gelegenheit, um sich die wichtigsten Regeln, die für alle Unternehmen in Bezug auf die Verarbeitung von personenbezogenen Daten gelten, wieder in Erinnerung zu rufen. Seit Inkrafttreten der europäischen Verordnung zum Schutz der personenbezogenen Daten, der sogenannten Datenschutz-Grundverordnung (kurz „DSGVO„) am 25.05.2020 müssen sich alle europäischen Unternehmen unabhängig von ihrer Größe mit diesem Text in Übereinstimmung bringen. Die DSGVO stärkt den Schutz der personenbezogenen Daten, der in Frankreich bis zum 25.05.2018 vom französischen Datenschutzgesetz (Loi Informatique et Libertés) vom 06.01.1978 geregelt wurde. Die Verordnung entspricht der europäischen Politik zur Stärkung…

Coronapaket
26.05.20 ∙ Deutsches Wirtschaftsrecht

Coronapaket: Die wichtigsten Maßnahmen im deutschen Recht

Im Zusammenhang mit der Coronakrise wurden in Deutschland wie in Frankreich verschiedene Regelungen in mehreren Rechtsbereichen getroffen, vor allem im Arbeitsrecht aber auch im Wirtschafts- und Steuerrecht. Hier stellen wir die grundsätzlichen durch die Coronakrise bedingten Änderungen im deutschen Recht dar. Homeoffice: keine arbeitsrechtliche Maßnahme im Coronapaket vorgesehen Im Gegensatz zum französischen Arbeitgeber (siehe Maßnahmen zur Coronakrise im französischen Arbeitsrecht) darf ein deutscher Arbeitgeber nicht einseitig Homeoffice wegen der Coronakrise anordnen. Regeln über das Homeoffice müssen im Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder in der Betriebsvereinbarung enthalten sein oder müssen in einer sonstigen individuellen Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vorher vereinbart werden. Falls…

Schaden beim unlauteren Wettbewerb
12.05.20 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

Bewertung des durch unlauteren Wettbewerb verursachten Schadens

Schadensvermutung bei einer Handlung des unlauteren Wettbewerbs Die Handelskammer des Kassationsgerichts hat in einem Gerichtsurteil, am 12.02.2020, zum Thema der Bewertung des entstandenen Schadens durch unlauteren Wettbewerb, erläutert. Im französischen Recht ist die Person, die sich als Opfer eines Schadens benennt, im Prinzip dazu verpflichtet, dies zu beweisen. Das Handelsgericht hat jedoch, nach seiner vorbenannten Rechtsprechung, angenommen, dass eine unlautere Wettbewerbshandlung zwangsläufig zu einem Schaden beim Geschädigten führt. Diese Rechtsvermutung soll den Richtern ermöglichen, schneller und einfacher den Schaden zu bewerten, wenn dieser besonders schwer zu beweisen ist. Dies ist nämlich der Fall bei Schäden, die durch unlauteren Wettbewerb entstehen.…

Coronapaket im Wirtschaftsrecht
29.04.20 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

Covid-19: „Corona-Paket“ für Unternehmen im Wirtschaftsrecht

Vor dem Hintergrund der Coronakrise hat die französische Regierung am 23.03.2020 ein Notstandsgesetz zur Gesundheitskrise verabschiedet, welches den Erlass von voraussichtlich zahlreichen Verordnungen der Regierung ermächtigt, um den gesetzlichen Rahmen an diese noch nie dagewesene Situation anzupassen. Die deutsche Regierung hat im Übrigen am 27.03.2020 ähnliche Maßnahmen in diesen Bereichen ergriffen. In diesem „Corona-Paket“ werden sehr viele Themen behandelt. Aus diesem Grund stellen wir nachstehend die wichtigsten Maßnahmen vor, die das französische Wirtschaftsrecht betreffen. Die arbeitsrechtlichen Konsequenzen der Coronavirus-Epidemie haben wir in einem gesonderten Beitrag dargestellt. Gewerbliche Mieten sowie Strom-, Gas- und Wasserversorgung Die Verordnung Nr. 2020-316 vom 25.03.2020 „zur…

Verbraucherschutz für Unternehmen
03.03.20 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

Ausdehnung der Verbraucherschutzbestimmungen auf kleine Unternehmen

Obwohl das Verbraucherrecht im Zusammenhang mit Haustürgeschäften vor allem die Verbraucher wegen ihrer mangelnden Kenntnis der Geschäftspraktiken schützen soll, schützt es manchmal auch Unternehmer im Verhältnis zu anderen Unternehmern. Einige Unternehmen haben mit ihren Marketingmethoden einen Vorteil gegenüber sehr kleinen Unternehmen, in denen niemand weiß, wie man die manchmal einschüchternden Methoden durchkreuzen kann. Unter bestimmten Bedingungen profitieren diese Unternehmen daher vom Verbraucherrecht. Sehr kleine Unternehmen als Verbraucher geschützt Der Kassationsgerichtshof erinnerte daher in einem Urteil der 1. Zivilkammer vom 27. November 2019 daran, dass die Verbraucherschutzbestimmungen in bestimmten Sonderfällen auf kleine Unternehmen anwendbar sein können. Wenn ein Gewerbetreibender höchstens fünf…

Nichtige Klausel von Amazon
10.12.19 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

Der Marktplatz Amazon wird in Frankreich zum Schutz der Verkäufer unter die Lupe genommen

Der französische Staat nimmt die Verträge mit den Verkäufern unter die Lupe Das Handelsgericht Paris hat in einem Urteil vom 02.09.2019 den Marktführer der elektronischen Marktplätze, Amazon, wegen einem bedeutenden Ungleichgewicht (déséquilibre significatif) in seinen Beziehungen mit seinen Geschäftskunden verurteilt. Die Klauseln, welche diesen Verkäufern aufgezwungen wurden, wurden nach einer umfangreichen Kontrolle durch die französische Aufsichtsbehörde in Frage gestellt. Zu diesem Gerichtsverfahren kam es im Anschluss an eine Prüfung durch die Verbraucherschutzbehörde (Generaldirektion Wettbewerb, Verbraucherschutz und Betrugsbekämpfung – Direction générale de la concurrence, de la consommation et de la répression des fraudes-, kurz DGCCRF), die 2015 und 2017 bezüglich der…

12.11.19 ∙ Deutsches Wirtschaftsrecht

Das deutsche Bürgerliche Gesetzbuch

Wie in vielen nationalen Rechtsordnungen bildet das Bürgerliche Gesetzbuch (in Abkürzung „BGB“) eine wichtige Grundlage des deutschen Rechts, da ein Großteil der Regeln des Zivilrechts darin enthalten ist. Wer Jura kennen will, muss das BGB gut kennen. Das Bürgerliche Gesetzbuch als Fundament des deutschen Zivilrechts Seit mehr als hundert Jahren regeln die 2385 Paragrafen den Status und die Beziehungen unter Privatpersonen (natürliche Personen, Vereine, Stiftungen, juristische Personen). Somit ist sein Inhalt abzugrenzen vom öffentlichen Recht (Verwaltungsrecht), welches die rechtlichen Beziehungen zwischen Bürgern und Amtsträgern beschreibt. Das Privatrecht beschränkt sich nicht auf das BGB, denn viele andere Gesetze regeln auch besondere…

29.10.19 ∙ Französisches Wirtschaftsrecht

Kündigung einer bestehenden Geschäftsbeziehung nach dem Egalim-Gesetz

Geänderte Bestimmungen zur Kündigung einer bestehenden Geschäftsbeziehung Das französische Recht zu den missbräuchlichen Praktiken aus Artikel L. 442-6 des frz. Handelsgesetzbuches wird seit Jahren viel kritisiert. In seiner Fassung vor der Änderung listete dieser Artikel 13 missbräuchliche Praktiken auf und vermischte materiell- und verfahrensrechtliche Bestimmungen. Aus diesem Grund hat das Gesetz „zum Ausgleich der Geschäftsbeziehungen in der Landwirtschaft und im Nahrungsmittelsektor“ vom 30.10.2018 die Regierung dazu ermächtigt, durch eine Verordnung die Änderung dieses Artikels im Rahmen der Überarbeitung des Handelsgesetzbuches zu bewirken. Die Verordnung wurde veröffentlicht. Diese Bestimmungen traten am 26.04.2019 in Kraft, mit Ausnahme bestimmter Maßnahmen, deren Inkrafttreten verschoben…