Die GmbH in Deutschland, eine der beliebtesten Gesellschaftsformen

03.06.19

Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung, abgekürzt GmbH, ist eine der beliebtesten Rechtsformen unter den Gesellschaften. Doch was genau macht sie für Unternehmensgründer in Deutschland so beliebt?

Warum die Rechtsform der GmbH wählen? Vorteile der GmbH

Hier sind die Hauptvortreile der Rechtsforme der GmbH:

  • Einer der Hauptgründe, die Rechtsform der GmbH zu wählen, ist die beschränkte Haftung, d.h. die Haftungsbeschränkung auf das Stammkapital. Anders als bei einer Personengesellschaft ist das finanzielle Risiko im Haftungsfall vorhersehbar. Ein weiterer Vorteil gegenüber den Personengesellschaften besteht darin, dass ein einziger Gesellschafter ausreicht, um eine GmbH zu gründen.
  • Die GmbH ist auch für junge Unternehmer erreichbarer als eine AG: Das Mindeststammkapital beträgt EUR 25.000, was nur die Hälfte vom Mindestgrundkapital der Aktiengesellschaft ausmacht. Dies darf aber nicht täuschen. Zum Starten braucht man in der Regel viel mehr Kapital als diese EUR 25.000.
  • Zudem bietet die Rechtsform der GmbH einen großen Gestaltungsspielraum und ist zugleich einfacher zu handhaben als die Aktiengesellschaft (AG). Die GmbH kann sowohl von einer juristischen als auch von einer natürlichen Person, alleine oder mit mehreren, gegründet werden.
  • Sowohl sehr kleine Firmen als sehr große Unternehmen werden in der Form der GmbH geführt, so dass sie anders als die französische GmbH (SARL) nicht auf eine kleine Struktur nach außen hinweist. Insgesamt sind allerdings über 70% der als GmbH angelegten Unternehmen mit dem Mindeststammkapital in Höhe von EUR 25.000 ausgestattet.
  • Die GmbH verfügt über eine einfache Organaufteilung. Sie setzt sich aus der Geschäftsführung, der Gesellschaftsversammlung und gegebenenfalls dem Beirat zusammen.

Was bedeutet die beschränkte Haftung in der GmbH?

Die Besonderheit der Haftung einer GmbH steckt bereits im Namen selbst: „mit beschränkter Haftung“. Wenn ein Dritter eine Forderung gegenüber der Gesellschaft hat, stellt sich die Frage, ob nur die GmbH dafür einsteht oder bei mangelnden Aktiva der GmbH auch die Gesellschafter haften.

Die „beschränkte Haftung“ ist nicht gleichbedeutend mit dem Ausschluss der Haftung. Sie bedeutet vielmehr, dass sich die Haftung der GmbH gegenüber Dritten auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt. Das bedeutet, dass auf das Privatvermögen der Gesellschafter grundsätzlich nicht zurückgegriffen werden kann.

Allerdings gibt es auch hier einige Ausnahmen, wie die folgenden:

  • Ein Gesellschafter kann bei einem Verstoß gegen die strikten Regeln über das GmbH-Stammkapital mit seinem privaten Vermögen haften, z.B. wenn er der Gesellschaft verdeckt Vermögenswerte entzieht.
  • Ist der Gesellschafter zugleich Geschäftsführer, so trägt er ein erhöhtes Haftungsrisiko. Er muss bei seinen Geschäftsführungshandlungen mit der Sorgfalt eines „ordentlichen Geschäftsmannes“ handeln. Wenn er die ihm obliegenden Pflichten schuldhaft verletzt, muss er mit seinem privaten Vermögen dafür einstehen. Eine Pflichtverletzung kann beispielsweise bereits gegeben sein, wenn der Geschäftsführer nicht den Gesellschaftszweck verfolgt. Hierbei ist es irrelevant, ob es sich um eine Verletzung im Innenverhältnis, also gegenüber den Gesellschaftern, oder im Außenverhältnis, das heißt gegenüber Dritten, handelt.

Welche Etappen sind bei der GmbH-Gründung zu beachten?

1. Der erste Schritt ist der Entschluss, eine Gesellschaft zu gründen.

Die Gründung der GmbH ist mit mehreren Gesellschaftern, aber auch mit einem einzigen Gesellschafter möglich (sogenannte Ein-Personen-GmbH). Im Gegensatz zur französischen SARL gibt es bei der GmbH keine Obergrenze für die Anzahl der Gesellschafter.

2. Danach muss ein Gesellschaftsvertrag verfasst werden.

Dieser soll die Organisation der Gesellschaft regeln. Darunter fallen mindestens die Angaben über den Firmensitz, den Firmennamen, den Unternehmenszweck, die Höhe des Stammkapitals und die Zahl- und Nennbeträge der Geschäftsanteile. Das Mindest-Stammkapital liegt bei 25.000 Euro. Werden keine weiteren Bestimmungen im Gesellschaftsvertrag vorgesehen, so greifen die gesetzlichen Bestimmungen, im Wesentlichen aus dem GmbH-Gesetz.

3. Der nächste Schritt ist die Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrags durch die Gesellschafter.

Anders als bei der französischen SARL muss im deutschen Gesellschaftsrecht der unterzeichnete Gesellschaftsvertrag der GmbH von einem Notar beurkundet werden.

4. Die Bank muss kontaktiert werden.

Nach Unterzeichnung des Gesellschaftsvertrags ist das Stammkapital einzuzahlen. Zu diesem Zweck muus selbstverständlich ein Bankkonto zu eröffnen.

5. Das Stammkapital wird durch jeden Gesellschafter auf das Bankkonto eingezahlt.

Wird das Stammkapital in einem früheren Stadium bezahlt, besteht das Risiko, dass die Gesellschafter erneut einzahlen müssen, da die Einlageschuld bei einer zu frühen Zahlung als nicht beglichen gilt.

6. Die Eintragung der GmbH ins Handelsregister wird durch den Notar angemeldet.

Erst mit der Eintragung zum Handelsregister existiert die GmbH im Geschäftsverkehr. Vorab müssen die Gesellschafter allerdings einen Nachweis der Einzahlung des Stammkapitals auf das Gesellschaftskonto erbringen. Ist das erfolgt, meldet der Notar die Gesellschaft zum Handelsregister an und reicht die Gesellschafterliste zum Handelsregister ein.

Die Anmeldung zum Handelsregister erfolgt beim zuständigen Amtsgericht. Die Ausstellung des Handelsregisterauszuges beansprucht je nach Arbeitsbelastung der zuständigen Behörde unterschiedlich viel Zeit.

Was kostet die Gründung der GmbH?

Natürlich muss die Höhe des Stammkapitals finanziert werden: Das Geld muss fließen, es sei denn, es wurden Sacheinlagen durch die Gesellschafter geleistet.

Neben den Honoraren eines auf Gesellschaftsrecht spezialisierten Rechtsanwalts fallen Notargebühren an. Diese Notargebühren werden nach dem Stammkapital bemessen. Bei einer GmbH-Gründung mit dem Mindeststammkapital in Höhe von EUR 25.000 liegen die Notargebühren bei ca. EUR 850,00.

Wer haftet in der Schwebephase zwischen notarieller Beurkundung und Gründung für die Geschäfte der Gesellschaft?

Die Gesellschaft schließt nicht erst ab ihrer Gründung Verträge ab, sondern bereits davor im Zeitraum zwischen der Errichtung und der notariellen Beurkundung. In dieser Zwischenphase bis zur Eintragung haften die handelnden Gesellschafter gesamtschuldnerisch für die im Namen der Gesellschaft geschlossene Verträge.

Eine andere Haftung in dieser Zwischenphase betrifft ebenso die Gesellschafter. Wenn bei der Anmeldung der Gesellschaft falsche Angaben gemacht werden, müssen die Gesellschafter dafür einstehen. Man spricht von der sogenannten Gründungshaftung.

Die Organe der GmbH

Die GmbH ist eine juristische Person und ist ohne ihre Organe nicht handlungsfähig. Zwar werden Verträge durch die Gesellschaft abgeschlossen und genauso tritt diese im Geschäftsverkehr auf, allerdings bedarf sie zu ihrer Handlungsfähigkeit natürlicher Personen. Eine GmbH besteht aus mindestens zwei zwingenden Organen: dem Geschäftsführer, der Gesellschafterversammlung, und, soweit diese Wahl im Gesellschaftsvertrag ausgeübt wurde bzw. die Gesellschaft eine gewisse Belegschaftsgröße erreicht hat, aus einem dritten Organ, dem Aufsichtsrat.

  • Der Geschäftsführer führt die Geschäfte der Gesellschaft und vertritt die Gesellschaft nach außen. Er wird durch die Gesellschafterversammlung bestellt und ist gleichzeitig durch einen Anstellungsvertrag als Geschäftsführer beschäftigt. Er unterliegt dabei verschiedenen gesetzlichen Pflichten. Der Geschäftsführer muss für eine ordnungsgemäße Buchführung sorgen und hat die Pflicht, den Jahresabschluss vorzulegen. Er erfüllt die steuerlichen Pflichten der GmbH und ruft im Interesse der Gesellschaft die Gesellschafterversammlung ein. Im Falle einer Insolvenz der Gesellschaft ist er verpflichtet, das Insolvenzverfahren einzuleiten. Da es sich um gesetzliche Pflichten handelt, treffen sie den Geschäftsführer auch, wenn sie faktisch von einer anderen Person ausgeführt werden.
  • Die Gesellschafterversammlung besteht aus der Gesamtheit der Gesellschafter. Sie trifft ihre Entscheidungen in Form von Beschlüssen. Nach dem Gesetz ist die Gesellschafterversammlung zwingend für alle Änderungen des Gesellschaftsvertrages, die Auflösung oder Fortsetzung der GmbH und die Umwandlung, Verschmelzung oder Spaltung der Gesellschaft zuständig. Typischerweise entscheidet die Gesellschafterversammlung ebenfalls über die Feststellung des Jahresabschlusses, die Bestellung und Abberufung von Geschäftsführern, über Maßnahmen zur Überwachung des Geschäftsführers und die Festlegung der Unternehmenspolitik. Ordentliche Beschlüsse werden nach den gesetzlichen Regeln mit der Mehrheit von 50% und außerordentliche Beschlüsse mit einer Mehrheit von 75% gefasst. Die Gesellschafter haben Einsichts- und Informationsrechte
  • Der Aufsichtsrat (oder Beirat) ist eine Besonderheit der deutschen GmbH. Die französische SARL kennt ein solches Organ nicht. Die Funktion des Aufsichtsrates ist die Überwachung der Geschäftsführung. Er ist allerdings erst bei mehr als 500 beschäftigten Arbeitnehmern verpflichtend. Die Möglichkeit in der Satzung, auch bei weniger als 500 Arbeitnehmern die Bildung eines Aufsichtsrates vorsehen, bleibt davon unberührt. Seine Aufgabe ist die Kontrolle der Geschäftsführung. Um dieser Aufgabe nachzukommen, kann er von der Geschäftsführung Auskünfte und Berichte über alle Angelegenheiten der Gesellschaft verlangen. Im Rahmen dieser Funktion kann er außerdem bestimmte Geschäfte der Geschäftsführung an seine Zustimmung binden. Eine weitere Aufgabe ist die Überprüfung des Jahresabschlusses.

Weisungsgebundenheit der Geschäftsführung

Die Geschäftsführung unterliegt den Weisungen der Gesellschafter. Weisungsberechtigt ist die Gesellschafterversammlung. Diese kann ihre Weisungsberechtigung aber auch auf andere gesellschaftsinterne Organe wie den Beirat oder einen einzelnen Gesellschafter übertragen. Die Weisungsberechtigung kann allerdings in keinem Fall auf den obligatorischen Aufsichtsrat übertragen werden, da es ein Verbot der Geschäftsführung durch den Aufsichtsrat gibt.

Die Weisungen können sich grundsätzlich auf alle Angelegenheiten der Gesellschaft beziehen. Sie dürfen sich allerdings nicht auf Aufgaben beziehen, die gesetzlich in den Verantwortungsbereich der Geschäftsführer fallen.

Übertragung von Geschäftsanteilen an der GmbH

Der schuldrechtliche Vertrag über die Übertragung ist gemäß § 15 Abs. 4 GmbHG zwingend in notarieller Form zu schließen, genauso wie das dingliche Rechtsgeschäft der Abtretung. In der Praxis verfasst der deutsche Notar einen einheitlichen Vertrag über die beiden Rechtsgeschäfte und alle Parteien erscheinen vor ihm. Der Notar muss dabei dafür sorgen, dass die Parteien ihn genau verstanden haben, so dass z.B. bei französischen Käufern entweder eine Übersetzung geliefert oder ein deutschsprachiger Vertreter geschaltet wird, wie zum Beispiel ein deutsch-französischer Rechtsanwalt.

Die Liquidation der GmbH

Mit der Liquidation ist nicht die Insolvenz gemeint, welche auch zur Auflösung und Löschung der GmbH vom Handelsregister führt, sondern in der Regel die Entscheidung durch die Gesellschafter, die GmbH aufzulösen und somit abzuwickeln (d.h. zu liquidieren). Die Liquidation außerhalb der Insolvenz kann auch ohne Beschlussfassung durch die Gesellschafter stattfinden, wenn z.B. die Satzung ein Ereignis, wie den Tod eines Gesellschafters, mit der Auflösung der Gesellschaft knüpft.

Die juristischen Schritte sind die folgenden:

  • Eintritt des Auflösungsgrundes wie die Beschlussfassung der Gesellschafter zur Auflösung;
  • Anmeldung und Eintragung der Auflösung im Handelsregister;
  • Beginn mit der Eintragung der Auflösung im Handelsregister des Sperrjahres, vor dem die GmbH die komplette Abwicklung nicht beenden darf;
  • Fortsetzungsbeschluss der Gesellschafter, weil das Gesellschaftsvermögen zu verteilen ist;
  • Beginn der Abwicklung mit der Bestellung des Liquidators;
  • Erstellen des Liquidationseröffnungsbilanz; Erstellen der Vermögensverteilungsbilanzen;
  • Beendigung der GmbH und Erlöschen aus dem Handelsregister.

Man kann generell festhalten, dass die Rechstform der GmbH sehr attraktiv ist. Damit alle Vorteile dieser Rechstform ausgeschöpft werden, sollte man nicht einfach schnell eine Standard-Satzung wählen, sondern sich Zeit lassen.

Françoise Berton, französische Rechtsanwältin

Alle Urheberrechte vorbehalten

Bilder: stockwerk-photodesign; forme juridique des sociétés en Allemagne, Office fédéral statistique d’Allemagne, date : 30 septembre 2018

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